Mein München

MEIN MÜNCHEN GbR.
Eva Löbau/ Judith Huber präsentieren:

DIE BAIRISHE GEISHA
MEIN MÜNCHEN - WAS HABEN WIR HIER VERLOREN?

Mir wurde von kleinst auf beigebracht, dass ich Großstädterin bin. Und dass die Großstädterin einen großen Vorzug hat: Die hat die Straßenbahn. Und überhaupt, Wohnen in München! Es gibt so viele schöne Orte, aber wohnen möcht’ ich in München. Ich bin ja schon ziemlich lang hier. Also, genau genommen seit meiner Geburt nie raus, nie raus; also, vergleichsweise wie Kant nie aus Königsberg rausgekommen ist, bin ich auch hier nie raus gekommen dummerweise. Also, ich hab jetzt auch beschlossen, also ich bleib wahrscheinlich auch hier jetzt.

muenchen

Photo: Daniel Kraus

Produktion mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt München
Dank an: Christoph Näger von Energy Source, Pelikan GmbH& Co. KG, Ursula Hoppe, Lemberger Bürotechnik, Pichler Biometzgerei, Taiji Tanaka, Dr. Bernharde Huber, Dr. Agnes Huber, Dr. Klaus Lang, Thea Straßberger, Erika Straßberger, Alexander Grobitsch, Christiane Pfau, Susanne Schroeder, Stefan Kastner, Oliver Haffner, an das Restaurant Kaede, den Skaterboy und den Pilzmann.

DIE BAIRISHE GEISHA
MEIN MÜNCHEN - WAS HABEN WIR HIER VERLOREN?

Konzept und Realisierung: Judith Huber, Eva Löbau, Ren Saibara
Musik: Peter Pichler, Dim Sclichter
Film: Judith Keil, Hans-Joachim Blach
Bühne: Markus Grob
Kostüm: Detlev Diehm
Licht: Igor Belaga
Produktion: Katrin Dollinger
Technische Mitarbeit: Malte Bartz, Florian Clemen, Zlatko Krajinovic

inhalt

Geishas waren einst volkstümliche Unterhalterinnen, begehrte Geschöpfe der Vergnügungsbranche, dann stiegen sie auf zu stilbildenden Kunst-Frauen und wurden schließlich zu Symbolen der japanischen Kulturtradition. “Die Bairishe Geisha”, ein dreiköpfiges Zauberwesen aus den Münchner Performerinnen Judith Huber, Marianne Kirch und Eva Löbau, bereichert seit 1998 auch die heimatliche Kultur um die Dienstleistungen der Geisha.

Die Bairishe Geisha kommt aus München. Hier ist sie daheim. Hier kennt sie sich aus. Aber sie will weg. Nach Verona, Sapporo, Kiew, Edinburgh, Bordeaux, Cincinatti. Die selbsternannte Botschafterin ihrer Heimatstadt will die Partnerstädte Münchens bereisen. Als Gastgeschenk hat sie das Stück „Mein München” im Gepäck, ihren ganz persönliches „Tribute to München”. Zusammengestellt mit zwei Musikern (Peter Pichler, Dim Sclichter), zwei Filmemachern (Judith Keil und Hans-Joachim Blach) und einer japanischen Verwandten (Ren Seibara). Die Zuschauer begleiten die Geisha auf ihrer musikalischen Prozession durch den Münchner Stadtplan, einer Parade der Dinge dieser Stadt. Der Englische Garten zieht sich aus, im Olympiaturm spukt es und die Bairishe Geisha steigt der Bavaria in den Kopf. Von oben sucht sie nach Strandgut am Ufer der Theresienwiese und fragt sich beim Blick auf ihre Stadt: Was haben wir hier verloren?

referenzen

U.A. 27.6. 2007 am PATHOS transport theater München
Weitere Aufführungen am 28., 29., 30. Juni, 1.; 3 Juli
Zuschauer: ca. 200

pressestimmen
Rund um die Niere der Stadt
Die Bairishe Geisha fragt sich: „Mein München - was haben wir hier verloren

Es ist kein Wagen von der Linie 8, mit dem die Bairishe Geisha im PATHOS transport theater Einzug hält. Das Gefährt ist bestückt mit leeren Bierkästen, Windharfen und Becken, die der Musiker Dim Sclichter als Zugpferd schlägt. Das Damentrio sinniert zwischen Klarinette und Posaune, wer nun welchen Stadtteil verkörpere. Klar, Judith Huber ist das Münchner Kindl. „Sieht man doch!”, breitet sie die Kimono-Ärmel aus. Eine skurrile Reise durch das Bewusstsein ihrer Stadt unternimmt die Bairishe Geisha mit „Mein München - was haben wir hier verloren?” Und stößt auf viele Merkwürdigkeiten. Verwundert bemerkt Ren Saibara, als japanische Verwandte (…) dass München ein Kind Braunschweigs sei. Aber nicht (Heinrich) der Löwe ist das Maskottchen, sondern ein „Oachkatzl”. das Ur-Eichhörnchen sieht man groß auf Video im Park. Mitspieler sind die Musiker Peter Pichler als Cowboy-Gitarereo und der genialische Schlagwerker Dim Sclichter. (…) In witzigen Zeitraffervideos (von Judith Keil und Hans-Joachim Blach) hasten Menschen über die Theresienwiese, wird ein Weißwurstessen zum Gruppen Slapstick, gerinnt Grant Humor zu bösen Cartoons.
29.6.2007. Gabriella Lorenz, AZ Kultur.

Im Kopf der Bavaria
Die Bairishe Geisha erfindet sich neu und bleibt sich treu

(…) Die Bairishe Geisha hatte schon immer ein aufgeklärtes Verhältnis zur Realität und zur eigenen Identität. Deshalb ist es nichts weiter als vollkommen unabdingbar, dass sie bei ihrem jüngsten Wunderwerk im PATHOS transport theater auch ihre eigene Geschichte antupft. Denn der Abend heißt „Mein München - was haben wir hier verloren?” und ist eine demographisch unterfütterte Phantasmagorie über Heimat und was sie sein könnte (…) Beim Augustinerflaschendrehen, in Weißwürsten, Brezn und am Strand der Theresienwiese, deren salzige Vergangenheit als Ur-Meer noch heute spürbar ist in der nierenanregenden Wirkung auf dortige Flaneure (…)
29.6. 2007. Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung/ Münchner Kultur

Die Kunst der Irritation
Die Bairishe Geisha hat einen charmanten Heimatabend inszeniert

(…) Dieser Abend ist von den ausgetretenen Trampelpfaden lokalpatriotischen Huldigungsgewäschs glücklicherweise so weit entfernt wie der Lodenjanker vom Kimono. Und doch hat die Bairishe Geisha mit Hilfe dieser beiden Kleidungsstücke ein faszinierendes Vexierspiel über Identität. Fremdheit und Heimatgefühl geschaffen. (…) Judith Huber im Kimono wird zur bayerisch sprechenden Japanerin. Ren Saibara mit biederer Lockenperücke und Lodenjacke ist die japanische Schwester von Mama’` Eva Löbau. Das Bekannte wird mit dem Fremden kombiniert und konterkariert, das vermeintliche Original löst sich in vielerlei Identitäten auf: Die Bairishe Geisha betreibt ihre wohlgesetzten Irritationen mit viel Geschick.
So wird auch die Stadtgeschichte Münchens durch etliche hübsche Details aufgewertet: Wir erfahren zum ersten Mal vom Eismeer, das einst über die Theresienwiese schwappte. Vom monumentalen Eichhörnchendenkmal, das dort von Heinrich dem Löwen errichtet, dann aber von der Bavaria ersetzt wurde. Und schließlich von den drei Wunschnüssen, die immer noch im Kleidsaum der kolossalen Statue verborgen sind. Begleitet werden die Damen von den beiden Musikern Peter Pichler und Dim Sclichter, die sich instrumental, singend und schauspielernd ins Geschehen einbringen. Mambo und Zwiefacher, Kuhglocken und Blockflöte werden virtuos vermengt. (…) Allerhand Merkwürdiges geschieht an diesem Abend: Der Olympiaturm wird per Einkaufstüten-Poker verzockt („Dallmayr sticht”,). Man erfährt. wie sich die Sehnsucht nach dem ersten Leberkäse anfühlt. Das ist zauberhaft. berührend und immer lustig.
Das Heimatlich-Altbekannte mit einer skurrilen Fremdartigkeit zu unterminieren, das ist die Kunst der Bairishen Geisha. 30.6.2007. Johannes Lachermeier. Landshuter Zeitung.

produktionsdetails

judith huber (performerin)

lebt als freischaffende Schauspielerin in München. Engagements u.a. bei SPIELART München, in Zürich (Schauspielhaus), Hamburg (Kampnagel, Kammerspiele), Berlin (Barracke, DT, Sophiensaele) und Nürnberg. Mit der Produktion „Sitzen in Hamburg” (Regie: Christiane Pohle) war Judith Huber Preisträgerin des Impulse-Festivals.

eva löbau (performerin)

Geboren 1972. Aufgewachsen in Plochingen am Neckar. Nach dem Abitur, Philosophie Studium an der Humboldt Universität Berlin, abgelöst durch das Schauspielstudium am Max - Reinhardt - Seminar Wien. Danach 2 Jahre Stadttheater. Seit 1999 freiberuflich. Gast - Engagements unter anderen am Schauspiel Hannover, Stadttheater Basel, Tif Dresden. Außerdem einige Produktionen auf Kampnagel in Hamburg.
Für die Hauptrolle in ihrem ersten Film „Der Wald vor lauter Bäumen” (2003) von Maren Ade wurde Eva Löbau 2005 auf dem Buenos Aires - Festival del Cine Independente ausgezeichnet. Seit 2000 erarbeitet sie mit der Münchner Theater- und Performance Gruppe »Die Bairishe Geisha«, jährlich ein neues Stück. Eva Löbau lebt in Berlin und München.

ren saibara (performerin)

Geboren 1960 in Saitama, Japan. Studierte Germanistik an der Waseda Universität in Tokio. Von 1982 bis 1984 absolvierte sie ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der Schauspielschule in Tokio. Seit 1999 leitet sie mit dem Act Network ihr eigenes Ensemble, mit dem sie eigene Stücke entwickelt. In Japan inszenierte sie vor allem moderne japanische Dramatik und Stücke junger japanischer Autoren u.a. in Tokio, Toyama und Shizuoka Als Schauspielerin arbeitete sie u.a. mit der australischen Company Frank Theatre zusammen und war mit der Produktion „A Midsummer Night’s Romeo” (Regie: Jacqui Carroll) zum Toga Theaterfestival in Toyama eingeladen. 2004 gab sie ihr Deutschlanddebut in „Mutation#5″. 2007 folgte die erste Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerkollektiv Lubricat “HOW TO TAKEOVER” (Regie: Dirk Cieslak). „Mein München” ist ihre erste Zusammenarbeit mit der Bairishen Geisha.

peter pichler (komponist/ musiker)

Peter Pichler, Münchner Liedermacher, Musiker und Multi-Instrumentalist war in den frühen 80ern mit seiner Band Condom in der Punkszene aktiv , daraus gingen die Ska-Band Bluekilla und die No Goods hervor, deren Bandleader er ist. Außerdem war er Sessionmusiker für Hans Söllner, Funny Van Dannen u.a. Seit 2004 Kompositionsaufträge für die Münchner Kammerspiele u.a. für “Fünf Goldringe” von Joana Laurens und “Ein Mädchen in einem Auto mit einem Mann” von Rob Evans. Zusammenarbeit mit Franz Wittenbrink und Schorsch Kamerun. Für die Bairishe Geisha komponierte Peter Pichler die Musik zu „Mein München”.

dim sclichter (musiker)

judith keil (film)

Judith Keil, geboren 1973 in Straubing, absolvierte ihr Studium der Germanistik, Theater-,Film- und Fernsehwissenschaften und Publizistik in Berlin. Seit 1993 arbeitete sie als Regieassistentin und Darstellerin in der freien Theaterszene. 1996 wurde ihr Beitrag „Rochstr.9″ beim Kieler Wettbewerb „Jugend und Video” ausgezeichnet. Schnittassistenzen bei Inge Schneider und Bernd Euscher. Seit 1999 Dokumentarfilme im Auftrag des ZDF, ARTE und MDR. Seit 2006 wird Judith Keil vom Kuratorium Junger Deutscher Film gefördert.

hans-joachim blach (film/animation)

Hans-Joachim Blach aus Grafenau/Niederbayern lebt als freischaffender Animationskünstler in Berlin. Seine Ausbildung erhielt er an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf” in Potsdam Babelsberg. Seit 1995 Animationen für zahlreiche Filmproduktionen und Werbefilme, darunter „Dallmayr” (1995), „Last bus to paradise” (1998) von Tom Zenker und „Der Froschkönig” (2006).

markus grob (bühne)

In Bern aufgewachsen, in Zürich Architekturstudium abgeschlossen, in Wien gearbeitet, 1997 an die Akademie Schloss Solitude Stuttgart und 1998 nach Karlsruhe an die staatlichen Hochschule für Gestaltung als Professor für Architektur berufen. Seit 2001 für die Bühneninstallationen der Bairishen Geisha verantwortlich. Lebt und arbeitet in Karlsruhe und Zürich als Architekt und Autor.

detlev diehm (ausstattung)

Nach der Ausbildung zum Schneidermeister und Gewandmeister an der FH Armgartstraße in Hamburg studierte er Modedesign in Mailand.
Seit 1996 arbeitet er als Modedesigner (Hugo Boss, Regent Handtailored). Seine Arbeit als Chefdesigner bei Regent Handtailored führte ihn 2001 zum ersten Mal nach Japan. Seit 2001 entwirft D.D. die Kostüme der Bairishen Geisha.